Adele
Saumrocks
Randnotizen
Was sollten wir bloß tun, wenn es die Zeitung nicht gäbe! Im
Fernsehen bringen sie immer nur neue Schreckensmeldungen: immer
höhere Arbeitslosigkeit, Katastrophen, der wochenlange Streit um
das Bundeskanzleramt - man kann es ja gar nicht mehr hören.
Dazwischen immer mal ein ausgebüchster Gewaltverbrecher, so
zwischen Kaffeewerbung und Sportergebnissen - nein, das kann und
will ich einfach nicht mehr hören! Da nehme ich mir lieber meine
Zeitung zur Hand - ich darf den Titel nicht sagen, das wäre
verbotene Werbung und Brotakt Pläsment oder wie das heißt, sagte
man mir -, aber es ist, Sie wissen schon, das große bunte
Abiturientenblatt mit den vier Buchstaben. Die schreiben immer so
nette Sachen. Neulich las ich erst ein paar kluge Tipps, wie man
glücklich wird. Ich hätte nie geglaubt, dass das so einfach ist.
"Suchen Sie sich einen Beruf, der glücklich macht!",
empfahlen zum Beispiel nicht näher benannte Forscher. Tolle Idee!
Wer wäre darauf nur ohne dieses Forschungsprojekt gekommen? Ich
zeigte meiner Schwiegertochter diese neuen wissenschaftlichen
Erkenntnisse, als sie gerade von ihrem Termin beim Arbeitsamt kam
und kurz mal bei mir rein schaute. "Na prima, und dann soll
ich noch zwei Kilometer jeden Tag gehen", fauchte sie
missgelaunt zurück. "Das könnte ich gleich mit dem Weg zum
Arbeitsamt verbinden. Nur was soll ich jeden Tag dort? Die haben
eh nichts für mich!" Welcher Beruf sie tatsächlich
glücklich machen würde, darüber habe sie seit ihrer Schulzeit
nicht mehr nachgedacht. Sie wäre momentan schon glücklich, wenn
es wenigstens mit dem Ein-Euro-Job als Tribünenreinigungskraft im
Sportpark klappen würde, bekannte sie. "Fein, da läufst du
dann ja viel", freute ich mich für sie. "Und dann
sollst du dir noch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung
suchen!", ließ ich nicht locker. "Gehört
Stellenanzeigen lesen und Bewerbungen schreiben auch dazu?",
fragte sie skeptisch. "Nun ja", meinte ich,
"sinnvoll ist es ja schon und in deiner Freizeit machst du
das schließlich auch", überlegte ich. Doch sie hatte die
Frage gar nicht richtig ernst gemeint, merkte ich. So habe ich die
anderen Tipps zum glücklich Sein lieber weg gelassen.
Als meine Schwiegertochter weg war, überlegte ich so bei mir, ob
ich nach Maßgabe dieser seltsamen Forscher eigentlich glücklich
bin - glücklich sein kann. Ich soll lächeln - gut, das mache ich
immer, vor allem wenn ich die Zeitung lese oder meinem Nachbar bei
der Gartenarbeit zuschaue. An etwas Schönes denken - tja, Hans
Albers, als er noch jung war, Udo Jürgens, als er allmählich alt
geworden ist, oder aber meinen Hugo Gott hab ihn selig. Es gibt
viele schöne Dinge, an die ich denke! Die sinnvolle
Freizeitbeschäftigung habe ich auch, immerhin darf ich jeden
Monat etwas für die Dippoldseggersbach News schreiben.
Freundschaften pflege ich ebenfalls, laufen auch - nur die Sache
mit dem Beruf war schwierig. "Als du noch in der
Sparkassenkantine gearbeitet hast, das warst du ständig am
Schimpfen über die ganzen Macken von diesem oder jenem Bankheini.
Das nennst du glücklich?", meinte meine Schwiegertochter.
Naja, das versteht sie nicht. Das war eben das Schöne daran, man
konnte sich über Gott und die Welt aufregen, vor allem wenn
weder Gott noch die Welt dabei waren und zuhörten.
Bin ich froh, dass ich nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten
auch wirklich glücklich sein kann! Wenn nicht, dann hätte mich
das richtig unglücklich gemacht!
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Vor dem Schlimmsten bewahrt
Zu
einem lebensrettenden Einsatz musste kürzlich die Feuerwehr von
Dippoldseggersbach ausrücken. Die lebensmüde Ein-Euro-Jobberin
Elfriede B. Krug hatte sich nach getaner Arbeit demonstrativ auf
diesen Stapel Bierkästen gesetzt und gedroht, herunter zu
springen. "Nicht einen Kronenkorken mehr beule ich aus, nicht
für dieses Geld. Da lieber mache ich Schluss!", diktierte
sie unserem aufmerksamen Reporter in den Block, bevor dieser die
Rettungskräfte alarmierte. Seit Wochen biege sie nun schon
Kronenkorken von Bierflaschen wieder gerade, damit diese als
Camping-Aschenbecher in Jugendclubs aufgestellt werden können.
Irgendwann stiegen ihr die Kronen jedoch zu Kopfe und sie fühlte
sich dieser anstrengenden Arbeit nicht mehr gewachsen.
Den Rettungskräften gelang es jedoch, sie zu überzeugen, dass
das Leben doch lebenswert ist. Um dies zu untermauern, brachten
die Kameraden einen Kasten Flensburger (Schnappverschluss!) mit,
den man gemeinsam mit der verzweifelten Frau leerte. Schon
wesentlich gefestigter stieg sie schließlich von ihrem
selbstmörderischen Hochsitz herab (Foto). Wieder eine gute Tat
begangen!
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Ordnungshüter erhalten neue Dienstkleidung Mit
einer moderneren, mehr auf ihre Aufgabe zugeschnittenen
Dienstkleidung (im Foto links) verrichten seit kurzem die
Ordnungshüter von Dippoldseggersbach ihren Dienst. "Bei der
Wahrnehmung ihrer hoheitlichen Aufgaben, z.B. der Überwachung des
ruhenden Verkehrs, sollen unsere Beamten besser als
Respektspersonen erkannt und geachtet werden", erklärte der
Ordnungsdezernent dazu. All zu oft sei es bereits vorgekommen,
dass Bürger in beleidigender Weise gegen die Vollzugsbeamten des
Ordnungsamtes vorgegangen seien, um sie an ihrer Dienstpflicht -
dem Befestigen von kleinen Zetteln an der Windschutzscheibe der
parkenden Autos - zu hindern. Man hoffe, solche Übergriffe mit
der neuen Dienstkleidung sowie der dazugehörigen Ausrüstung
(siehe ebenfalls im Foto) auf ein Minimum
reduzieren zu können.
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Der Herbst
entblättert die Natur
Jaja, der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter
bunt und manchmal entblättert er eben auch das Eine oder das
Andere. In unserem Fall gleich alle beide. Schön von Herrn
Herbst, dass er so rücksichtsvoll war, die beiden jungen Damen
wenigstens noch bunt zu färben, nachdem er sie schon entblättert
hat.
Zu sehen sind die Beiden übrigens immer mimodotags von 15 bis 20
Uhr auf der Hauptnebengassenstraße 13.
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In
der Warteschleife
Es gab Zeiten, da konnte man einfach auf den Straßen durch
Dippoldseggersbach fahren. Daran mag wohl auch dieser Mann gedacht
haben, der offensichtlich schon einen längeren Zeitraum auf die
Wiedereröffnung der Straße in seinem Wohnviertel wartet.
Dummerweise hatte er vergessen, sein Auto auf einen nahe gelegenen
Parkplatz zu fahren und kommt nun nicht einmal mehr zum Einkaufen.
Aber was ein richtiger Dippoldseggersbacher ist, der weiß sich
auch so zu helfen, gelle!
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Armut treibt Musiker auf die Straße
Mit
einem Plattenvertrag ist es so eine Sache, wenn man nicht ganz dem
Schönheitsideal der Musikindustrie entspricht. So bleibt auch in
Dippoldseggersbach manchem mehr oder weniger jungen Musiktalent
nichts anderes übrig, als sein Glück auf der Straße zu
versuchen. Diese beiden Musikanten wählten sich für ihren
Auftritt "Greatest Hits - unplugged" eine markante
Kreuzung in der Kreisstadt aus, an der im wahrsten Sinne des
Wortes keiner vorbei kam. Das Publikum blieb tatsächlich stehen
und das Duo konnte schließlich ein ganz erkläckliches Sümmchen
auf der Haben-Seite verbuchen - gesammelt von Passanten und
Kraftfahrern, damit sie die Kreuzung endlich wieder frei gaben.
Immerhin - ein mal im Leben vor großem Publikum gespielt!
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Texte und Grafiken bzw. Fotos:
Ronald Willmann (6,2); Harald Weber (1,4)
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